Übersicht über die Formen der Pflege

Pflegekinder haben eines gemeinsam: Sie können nicht mehr oder vorübergehend nicht mehr in ihrer eigenen Familie leben. Die Ursachen dafür sind so vielfältig wie das richtige Leben. Deshalb wird eine Pflegefamilie für sie gesucht. Jedes Pflegekind hat seine eigene Biografie, spezielle Bedürfnisse und individuelle Eigenheiten. Deshalb gibt es logischerweise verschiedene Formen von Pflegeverhältnissen.

Pflegekinder können deshalb unterschiedliche Zeiten in einer Pflegefamilie untergebracht sein.

Es ist durchaus möglich, das bei bestimmten Krisensituationen eine schnelle Hilfe für die davon betroffenen Kinder notwendig wird. Für diese Zeit wird vom Jugendamt die BEREITSCHAFTSBETREUUNG genutzt. Die Pflegefamilie ist hierbei ständig bereit, also auch mitten in der Nacht, ein Kind aufzunehmen. Krisen kennen ja keinen Terminkalender und Hilfe kann jederzeit notwendig werden. Also, ein Elternteil der Pflegefamilie sollte ständig zu Hause sein und eine hohe Bereitschaft zur Kooperation und Weiterbildung im Jugendamt wird natürlich erwartet.

Eine Erweiterung ist dann die KURZZEITPFLEGE. Hier wird die Hilfe zur Erziehung für einen befristeten Zeitraum geboten, der meist zumindest etwas planbar ist. Eine alleinstehende Mutti muss nun doch einmal einige Tage oder Wochen in´s Krankenhaus oder zur Kur. Auch Entbindungen oder kurze Inhaftierungen fallen hier mit rein. Auch für diese Pflegeform sollte ein Elternteil zu Hause sein, geht es doch wohl in den seltensten Fällen ganz einfach, kurzfristig Urlaub oder eine Freistellung vom Arbeitgeber zu erhalten.

Die VOLLZEITPFLEGE schließlich kann Pflegekinder befristet oder auch auf Dauer in einer Pflegefamilie unterbringen. Je nach der Problemlage und der Situation in der Herkunftsfamilie kann eventuell eine Besserung der momentanen häuslichen Situation vermutet werden oder eben manchmal auch nicht. Leider ist es oft so, dass Muttis und erst recht auch Vatis, mit der Erziehung von ihrem Kind überfordert sind. Da kann es sein, dass die Eltern in ihrem persönlichen Reifeprozess doch noch bemerken, zu was sie denn eigentlich hier auf Erden herum laufen und vielleicht noch erkennen, da war doch was, was eigentlich zu mir gehört. Manche lernen es aber leider nie. Bei dieser Art der Pflege sollte zumindest in der Eingewöhnungsphase ein Elternteil ständig verfügbar sein. Im Laufe der Zeit spielt sich aber auch in einer Pflegefamilie alles so nach und nach ein und ein Außenstehender bemerkt gar nicht mehr - "huch, das sind ja fremde Kinder..."

Die allgemeinen Anforderungen an Pflegeeltern sind nun möglichst schon Erziehungserfahrungen und es ist ja auch ganz schön, wenn das Kind der Familie nun doch noch auf einmal einen Bruder / Schwester bekommt. Die Freude am Umgang mit Kinder versteht sich von selbst, reicht aber nun nicht mehr allein. Eine manchmal recht hohe Belastbarkeit kommt nun ganz oft noch dazu, gepaart mit möglichst großer Flexibilität und Toleranz anderen Lebensweisen gegenüber. Die Bewältigung der Lebenskrise des Kindes wird zur Eigenen! Es ist nicht Sache des Kindes, mit seinem bisherigen verkorksten Umfeld  zurecht zukommen, - hier ist ganz intensive Hilfe nötig. Und das über manchmal endlos lange Zeit.

Da dies alles nicht alleine gelöst werden kann, bedarf es einer sehr hohen Kooperationsbereitschaft. Im besonderem mit dem Jugendamt, anderen Behörden, Kitas und Schulen, aber auch sehr oft mit der Herkunftsfamilie des Kindes.

Soll das Pflegekind doch auf jedem Fall zu einem erwachsenen und selbstbestimmten Jungen oder Mädchen heranwachsen, das möglichst die Fehler und Unzulänglichkeiten seines Ursprungs nicht wiederholt!